Geschichte der Reformierten Kirche Bauma von 1650 bis 1973:
Bericht der Denkmalpflege
Aus der Baugeschichte
a) Die erste Kirche

Aufgrund einer Visitation des Antistes Ulrich und der betroffenen Pfarrer von Pfäfflkon, Bäretswil und Wila erfolgte die Vorbereitung der Konstituierung der neuen Pfarrei. Am 6. November 1650 sandte Landvogt Hans Heinrich Waser einen Bericht über den Stand der Vorbereitungsarbeiten nach Zürich, nach welchem die Baupläne, verfertigt von Baumeister Selli (Sölli), vorlagen. Aufgrund dieser Pläne bewilligten Bürgermeister und Rat den Kirchenbau und versprachen daran einen Beitrag. Kurz vor Baubeginn scheint jedoch eine Planänderung vorgenommen worden zu sein, beschloss man doch, einen Turm zu errichten. Der neue Plan ist mit Mai 1651 datiert und dürfte vom städtischen Werkmeister (Hans Heinrich) Schwytzer stammen, der die Bauaufsicht ausübte.
Im Oktober 1651 war die Kirche mit Ausnahme des Chorteiles gedeckt und der Turm bereits in stattliche Höhe gediehen. Im Herbst 1652 wurde die Kirche samt Thurm und Kirchhofmauer fertiggestellt. Im selben Jahr wurden auch die zwei ursprünglichen Glocken aufgezogen: die erste mit elf Zentner und 91 Pfund, die zweite mit 509 Pfund. Diese zweite Glocke musste bereits 1682 umgegossen werden.
b) Die heutige Kirche

1768 waren die seit langer Zeit beklagten prekären Platzverhältnisse so gravierend geworden, dass Erweiterungsarbeiten dringend wurden. Die Zusage eines Staatsbeitrages ermöglichte es der Kirchgemeinde, 1769 mit Baumeister Jacob Haltiner, Altstätten, einen Akkord über einen Kirchenneubau zu schliessen. Jakob Schneider lieferte an den alten Thurm zwei neue Uhrtafeln. Am 25. Juni 1769 konnte die Kirche wieder benutzt werden, vollendet war sie im Juni 1770.
In Glättlis Studie von 1928 wird die Erweiterung von Kirche und Kirchhof wie folgt beschrieben:
"Die ganze Kirche wurde abgebrochen. Obwohl man zuerst die Mauer auf der Thurmseite stehen lassen wollte, wurde sie jedoch abgerissen, weil man fand, sie falle doch bald zusammen. Das Schiff wurde 8 Schuh erhöht. Die Kirche war nach der Erweiterung bis auf den Turm, Kanzel, Taufstein und 2 Glocken, neu. Die Kirche war jetzt in der Länge 93 und in der Breite 50 Schuh. Die Steine nahm man aus dem Weissenbach und vom Schloss Altlandenberg, wo man die schönsten viereckigen Tufsteine ohne grosse Mühe ausgraben könnte. Das Holz kaufte man fast alles bei den beiden Landrichtern Rüegg in Altlandenberg. Zwei Emporen wurden eingebaut und die Kanzel von der Seite nach dem Friedhof nach der Seite gegen den Adler versetzt und an Stelle der Kanzel eine Türe gebaut. Das Gebäude wurde auf zwei Seiten in den Kirchhof hinein vergrössert. Daher mussten über 100 Begrabene an einen andern Ort gebracht werden. Der Kirchhof wurde vergrössert.»

Renovationen und Umbauten
Bereits für 1780 sind Verbesserungen der Kirchmauer erwähnt. 1791 erwarb Bauma von der Kirchgemeinde Seen deren Taufstein, der aus dem Jahr 1652 stammt und diese Jahrzahl trägt.
1801 erhielt der Bau, zusammen mit der Erweiterung des Friedhofes, neue Portalstützen durch Rudolf Winterberger. Anlässlich einer umfassenden Renovation der Kirche 1816 verfertigte offenbar der Tiroler Stukkateur Georg Eingärtner die Stuckdecke.
1841 wurden von Zimmermann Rüegg die Hangsäulen der Deckenaufhängung im Dachstuhl und ein Balken über der Kanzel, 1842 im Thurm Treppen und Böden erneuert. Die Thurmuhr wurde repariert
und mit einem Halbstundenschlag ausgestattet. 1856 wurde im Rossweidli ein zweiter, der heutige, Friedhof eröffnet. 1863 Reparaturen an Turm und Uhr.
Nachdem
der Kirchenhimmel
1856 bereits
repariert worden
war, erbrachte die
Renovation von 1876
durch Gipsermeister
Fritz, Winterthur,
weitere
Reparaturarbeiten.
Der gleichen
Baukampagne gehört
die Ausstattung der
Fenster durch Karl
Wehrli und die
Verlegung des
Kircheneingangs auf
die Schmalseite, mit
neuem Portal von
Steinmetz Sieg,
Rapperswil, an. Zur
selben Zeit wurde
eine Türe von
aussen in den Turm
gebaut.
1876 wurde ein Harmonium angeschafft, 1884 ein ganzes neues Geläut beschlossen, das 1886 eingeweiht werden konnte, und 1888 baute man eine Heizanlage ein.
1901, nachdem bereits 1897 ein Orgelbaufonds gegründet worden war, Einbau der Orgel von Kuhn, Männedorf, Prospekt nach Entwürfen von Pfleghard + Häfeli, mit Anbau auf der Turmseite.
Der Anbau eines Aborts an die Kirche (1906) trug keineswegs zu deren Verschönerung bei. Nachdem 1909 der Kirchturm verputzt und die Kirche geweisseIt war, brachte man die elektrische Beleuchtung an und renovierte die Orgel. 1917 wurde die elektrische Läuteeinrichtung eingebaut. Im seIben Jahr ist der alte Friedhof dem Publikum übergeben worden, nachdem man dort Rasen angelegt und einen Grünhag angepflanzt hatte.

1925/26 wurde an der Kirche unter der Leitung von Architekt Albert Koella, Wädenswil, eine eingreifende Gesamtrenovation durchgeführt.
K. Glättli beschreibt 1928: Die bedeutendste Reparatur an unserer Kirche ist gegenwärtig beendet. Seit 1771 ist an der Kirche Bauma keine so grosse Renovation vorgenommen worden. Beginn der Arbeiten am 4. Mai.
Aussenrenovation: Ost- und Südseite des Daches wurden enger gelattnet und umgedeckt, unter Anwendung alter Ziegel. Ersatz der Firstbleche und Firstziegel. Umdecken des Thurmdaches. Anbringen einer Blitzschutzanlage auf Kirche und Thurm. Auf der Mitte des Thurms prangt eine Wetterfahne in Kreuzform. Verputz von Thurm und Kirche mit feinem Kellenwurf und Sockel aus Kunststein. Neue Hohlkehle und neue Kännel. Neues Zeigerwerk der Uhr, Vergolden der Ziffern, Neuanstrich des Zifferblattes. Vor den Eingängen präsentieren sich zwei kleine Vorbauten, wie sie 1771 hundert Jahre lang bestanden haben.
Innenrenovation: Neue Bestuhlung von Schiff und Emporen aus Tannenholz mit aufgestemmter Eichenleiste (es fallen 250 Plätze weg). Die Seitenwangen im Mittelgang sind ebenfalls eichen sowie die Brüstung. Die Böden mit Balkenlage darunter sind neu. Auf die Emporen führen weniger steile Treppen mit eichenen Tritten. An den Portalen werden Windfangtüren angebracht; die Türen gehen nach aussen auf. Die Heizung ist durch eine Fussschemelheizung ersetzt worden (Seitendruck- Dampfheizung mit Koksfeuerung). Decke und Wände sind neu gestrichen. Ausbesserung der Stukkatur sowie neue Stukkatur unter den Emporendecken. Die Beleuchtungskörper sind neu. Es sind jetzt Anlagen für Schwerhörige mit je acht Anschlüssen für Männer und Frauen erstellt worden. Der stark defekte und teilweise nur noch aus Gips bestehende Taufstein wurde in Kunstsandstein neu gegossen. Jetzt werden die Emporen von je zwei Säulen in Sandstein getragen. Die Fenster sind erneuert worden. Sie bestehen aus abgetöntem Kathedralglas in Eisenrahmen und sind bemalt mit Sinnbildern und entsprechenden Bordüren:
Westwand: Bänder mit Daten der Erbauung, Erweiterung, Renovation
Ostwand: Wappen der Gemeinde und des Kantons
Nordwand: 1. Taube mit Oelzweig, 2. Weihnachtsstern, 3. Dornenkrone, 4. Anker
Südwand: 1. Lamm Gottes, 2. Taube, 3. Kreuz, 4. Kelch, 4. Aehren, 6. Offene Bibel mit A und O
(Diese Fenster wurden durch die Firma Huber-Stutz in Zürich hergestellt).
Gleichzeitig mit der Kirche wurde auch die Orgel von Grund auf renoviert.
Im Jahr 1957 wird die Orgel durch eine dritte, wieder von Kuhn, Männedorf, ersetzt. In diesem Zusammenhang werden im Innern der Kirche verschiedene weitere Arbeiten vorgenommen:
Die Beleuchtung wird erneuert (auffällig der neue Kronleuchter). Die Gänge werden mit Teppichen ausgelegt; der Quergang wird vor der Kanzel erweitert, indem je eine Bank und eine Brüstung entfernt werden; die Schriftzüge auf dem Gebälk der Emporen (W: "Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heissen"/O: "Selig sind die reinen Herzens sind, denn sie sie werden Gott schauen" ) verschwinden.
1969 beginnt ein neues Programm für die Gesamtrenovation der Kirche mit Überholung des Turms. Der Kanton genehmigt "ausnahmsweise" höhere Kosten für die Pflästerung des Vorplatzes (statt As- phalt) und verlangt einwandfreie, dauerhafte Ausführung von Rissausbesserungen und neuem Anstrich (putz und Anstrich in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege), Überholung der Zifferblätter, keine baulichen Veränderungen.
1972 genehmigt der Kanton ein, wegen finanziellen Schwierigkeiten der Kirchgemeinde, reduziertes Dringlichkeits-Projekt für die Aussen- und Innenrenovation der Kirche, umfassend:

Aussen:
Entfeuchtung durch Sickerleitung mit gleichzeitiger Revision der Steinhauerarbeit; Ergänzung des Schindelunterzuges und Umdeckung des Daches möglichst mit alten Biberschwanzziegeln; Ersatz der Trauf- und Stirnladen, soweit nötig; Ersatz der Spenglerarbeit durch neue aus Kupfer.
Innen:
Erneuerung von Wand- und Deckenputz; Isolation und Anpassungsarbeiten über der Decke; neuer Anstrich; Auslegung des Bodens mit Spannteppichen; Revision der Orgel.
1973 werden die Arbeiten unter der Leitung von Architekt Walter Egli, Wildberg, abgeschlossen.